Foto: Tierecke unter cc

Jeden Morgen zieht es mich in den Tiergarten. Nicht wegen meiner Naturverbundenheit oder gar wegen einer sportlichen Aktivität. Ich gehe morgens mit meinem Hund im Tiergarten Gassi. Und zwar streng nach Vorschrift. So läuft mein Hund an der Leine (acht Meter Ratsche-Leine) und das Geschäft wird ordnungsgemäß mit den IKEA-Häufchen-Tüten beseitigt. Die sind größer und günstiger als die aus dem Tierhandel. Das mit der Leine mache ich, weil im Tiergarten bei einer Kontrolle ein Hund ohne Leine 25,- EUR kostet, ein Hund mit Leine ist hingegen kostenfrei. Das mit den Tütchen mache ich, weil ich die Scheiße der anderen Hunde auch nicht sehen will!!!

Deshalb und wie beschrieben streife ich also jeden Morgen durch den Tiergarten. Kommt man dann zur Siegessäule, hält dort der Linienbus, um drei ältere Damen um die siebzig auszuspucken. Eine hat ein hellblaues Jacket an, eine ein rosanes und eine ein lachsfarbenes. Hüte tragen sie zudem und eine Parfümfahne, die selbst ich gegen den Wind rieche. Den Leidensweg meines Hundes will ich hier gar nicht detaillierter beschreiben. Ab geht´s zur Siegessäule: Beweisfotos schießen (ja, wir waren wirklich hier).

Ich tauche nun wieder in den Tiergarten ein. Als nächstes führt mich der Weg vorbei an einem See. Naja, es ist eher ein Teich oder Tümpel. Er ist grün überzogen mit Etwas, was entweder besonders gut oder besonders schlecht für die Umwelt ist. Er stinkt immerhin nicht. Davor stehen vier russische Touristen. Drei machen Fotos, einer dreht einen Film?! Von dem Teich oder Tümpel?! Abgefahren. Wofür tun die das?

Weiter geht es an dem Teich oder Tümpel vorbei zu einer etwas versteckten Parkbank. Es handelt sich hier nicht einfach um eine Parkbank, sondern um ein Appartment mit großem Garten. Hier lebt ein Obdachloser. Komme ich etwas später, ist er bereits zur Arbeit: Pfandflaschen sammeln. Denn manches Mal erwische ich ihn auch beim Sortieren der Flaschen. Das tut er nicht nach dem Pfandwert. Er sortiert nach Farbe, Größe und Material. Bei diesem Anblick kommt man ins Grübeln und wird traurig bis sentimental. Dieser “Penner” scheint so unverschuldet an seiner Situation zu sein. Ist nur ein Gefühl, das beim häufigen Aufeinandertreffen zustande kommt, wenn ich an seinem Appartment vorbei ziehe.

Nun geht es schon fast wieder Richtung Auto. Vorbei an Touristen, die das Schloss Bellevue fotografieren, wofür ich vollstes Verständnis habe, den das ist definitiv ein Foto wert. Es kommen mir noch ein paar Jogger entgegen, der eine spricht fließend englisch, der andere mit einem deutschen Akzent. Ich tippe auf Arbeitskollegen auf Zeit.

Ich bin selbst Wahlberlinerin, habe also als eine Art Tourist begonnen, die Stadt zu erleben. Aber niemals habe ich einen Teich oder Tümpel fotografiert…

Bookmarken:
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • Digg
  • Facebook
  • Google
  • del.icio.us
Tags:Berlin, Tiergarten, Touristen

Verwandte Artikel